Offener Brief an den Gemeinderat von Oberglatt

Der Gemeinderat in Oberglatt ZH möchte seine Gemeinde attraktiver für „bildungsnahe“ Familien machen, um so die höheren Kosten auszugleichen, die durch Sozialhilfeempfänger*innen und Ausländer*innen entstehen. Wir finden: Gehts noch? Deswegen haben wir einen offenen Brief an den Gemeinderat geschrieben und fordern, das Ziel aus dem Legislaturprogramm zu streichen.

Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident
Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Gemeinderats

Am 31. Januar 2019 veröffentlichte die Gemeinde Oberglatt die Ziele des Gemeinderats für die laufende Amtsperiode 2018 bis 2022. In diesen Zielen halten Sie im Kapitel «Jugend- und Familienförderung» fest, dass Oberglatt für «bildungsnahe Familien» attraktiver werden soll.

In der Ausgabe des «Zürcher Unterländer» vom 5. Februar 2019 begründete der Gemeindepräsident, Herr Roger Rauper, Ihr Ziel damit, dass Oberglatt eine höhere Sozialhilfe- und Ausländer*innen-Quote als der kantonale Durchschnitt aufweist und das aufgrund dessen, die Gemeinde in Zukunft auf mehr «steuerkräftige» Personen angewiesen sei.

Aus der Wahl des Begriffes «bildungsnah» lässt sich schliessen, dass Oberglatt in Zukunft nur für Akademiker*innen-Familien attraktiver werden soll. Dabei scheinen Ihnen die anderen 65 Prozent der Bevölkerung, die über keinen Hochschulabschluss verfügen, egal zu sein. So findet sich beispielsweise im Legislaturprogramm kein Ziel für den Erhalt von preisgünstigem Wohnraum für Familien mit kleinem Einkommen oder dem Ausbau von bezahlbaren Kinderbetreuungsplätzen.

Die JUSO ist der Ansicht, dass sich die Gemeindepolitik für alle Einwohner*innen einsetzen muss und nicht nur für die Gutverdienenden unter ihnen. Aus diesem Grund missfällt uns Ihr Ziel zutiefst.

Wir möchten Ihnen aber an dieser Stelle auch unseren Unmut über die Begründung des Ziels kundtun. Nach ihrer Begründung sind alle Sozialhilfeempfänger*innen und Ausländer*innen sowie die Einwohner*innen mit tieferen Einkommen das Gegenteil von bildungsnah, nämlich bildungsfern. Der Begriff «bildungsfern» wird von der deutschen Armutskonferenz als eine Diskriminierung von armen Menschen angesehen und bedeutet so viel wie «ungebildet».

Aufgrund der vorangegangenen Ausführungen fordert Sie die JUSO Zürich Unterland dazu auf, ihr Ziel aus dem Legislaturprogramm zu streichen und stattdessen durch ein Ziel zu ersetzen, von dem alle Einwohner*innen von Oberglatt profitieren können!

Freundliche Grüsse
Vorstand der JUSO Zürich Unterland

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